comdirect: Depot im Test
Die Commerzbank-Tochter bietet das funktionsreichste Banken-Depot — stark in Analyse und Service, im Preis klassisch.
Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2026
| Orderkosten | 4,90 € + 0,25 % (min. 9,90 €) |
|---|---|
| Depotführung | 0 € (mit Bedingungen) |
| Sparpläne | große Auswahl, teils kostenlos |
| Handelsplätze | Alle dt. Börsen, LiveTrading |
| Besonderheit | Umfangreichste Analyse-Tools der Banken |
comdirect war in den Neunzigern einer der Pioniere des Online-Brokerage in Deutschland und ist heute die Direktbank-Marke der Commerzbank. Das Depot gilt als das funktionsreichste unter den deutschen Banken: ProTrader-Werkzeuge, umfangreiche Charts, Musterdepots, ein informatives Wertpapier-Informationssystem und ein Kundenservice, der auch telefonisch rund um die Uhr erreichbar ist.
Preislich bleibt comdirect dagegen in der klassischen Banken-Welt: Orders folgen dem Modell Grundgebühr plus Volumenanteil mit einem Mindestpreis, der kleine Orders unverhältnismäßig teuer macht. Wer hier eröffnet, kauft Funktionsumfang und Service — nicht den niedrigsten Preis.
Wie eine Order grundsätzlich abläuft und worauf Einsteiger achten sollten, erklärt unsere Anleitung zum Aktienkauf.
Kosten im Detail
Eine Order kostet typischerweise 4,90 € plus 0,25 % vom Ordervolumen — mindestens 9,90 €, maximal 59,90 € (Stand der Redaktion), zuzüglich Handelsplatzentgelten. Neukunden handeln in den ersten Monaten häufig zu rabattierten Aktionspreisen. Sparpläne kosten typischerweise einen prozentualen Anteil der Rate; eine wechselnde Auswahl an Aktions-ETFs ist gebührenfrei besparbar.
Die Depotführung ist in den ersten Jahren kostenlos und bleibt es danach nur unter Bedingungen — etwa bei regelmäßigen Trades pro Quartal, einem aktiven Sparplan oder einem Girokonto bei comdirect. Wer keine der Bedingungen erfüllt, zahlt eine monatliche Depotgebühr. Diesen Punkt muss man dauerhaft im Blick behalten.
Konkret heißt das: Eine 800-€-Order kostet mit 9,90 € Mindestgebühr über 1,2 % des Einsatzes — eine 15.000-€-Order mit 42,40 € dagegen nur rund 0,3 %. Zum Vergleich: Beim Neobroker kosten beide Orders typischerweise rund 1 € — der Unterschied ist also vor allem bei kleinen Volumina dramatisch. Vieltrader erhalten ab hoher Orderzahl zudem Rabatte auf die Ordergebühren (Stand der Redaktion).
Auf der Habenseite stehen häufige Neukunden-Aktionen mit reduzierten Trades und ein Verrechnungskonto, das in die Commerzbank-Kontowelt integriert ist; auch Tagesgeld- und Girokonto lassen sich direkt anbinden, womit comdirect als Hausbank-Ersatz taugt. Wer die Bedingungen fürs kostenlose Depot ohnehin erfüllt — etwa durch einen laufenden Sparplan ab kleiner Rate —, neutralisiert die Depotgebühr vollständig.
Handelsplätze & Produktangebot
comdirect bietet alle deutschen Börsen inklusive Xetra, dazu das hauseigene LiveTrading (außerbörslicher Direkthandel mit vielen Partnern) und den Handel an über einem Dutzend Auslandsbörsen. Das Produktuniversum ist komplett: Aktien, ETFs, Fonds, Anleihen, Zertifikate, Optionsscheine und ein großes Fondsgeschäft mit Rabatten auf Ausgabeaufschläge.
Damit eignet sich das Depot auch für speziellere Strategien — etwa den gezielten Kauf an der liquidesten Börse oder US-Werte direkt an der Heimatbörse. Diese Breite bieten Neobroker nicht.
Sparpläne laufen auf ETFs, Aktien, Fonds und Zertifikate ab kleiner Rate; die wechselnde Auswahl kostenloser Aktions-ETFs sollte man bei der Produktwahl gezielt nutzen, da die reguläre Sparplangebühr prozentual an der Rate hängt (Stand der Redaktion). Wichtig für Umsteiger: Bestehende Sparpläne anderer Banken müssen beim Übertrag neu angelegt werden.
Auch Neuemissionen, Wertpapierkredite und ein großes Anleihen-Sortiment gehören zum Angebot. Damit deckt comdirect praktisch jede Anlagestrategie ab — vom monatlichen ETF-Sparplan bis zum aktiven Handel mit Hebelprodukten über LiveTrading. Einsteiger sollten sich von der Fülle nicht abschrecken lassen und mit einer schlanken Watchlist starten; der Funktionsumfang wächst mit den Ansprüchen mit.
App & Plattform im Alltag
Website und App decken vom einfachen Sparplan bis zur ambitionierten Analyse alles ab: Realtime-Push-Kurse (teils kostenpflichtig), umfangreiche Chartanalyse, Screener und der ProTrader für aktive Nutzer. Alle gängigen Ordertypen inklusive Trailing-Stop und One-Cancels-Other sind verfügbar — hier ist comdirect klar vor den Neobrokern.
Die Kehrseite: Die Fülle an Funktionen macht die Oberfläche für absolute Einsteiger unübersichtlicher als eine reduzierte Neobroker-App. Auch wirken Teile des Webauftritts optisch in die Jahre gekommen. Der Service per Telefon und Chat gilt dagegen als einer der besten im Vergleich.
Die Depoteröffnung funktioniert digital per Video-Ident, für Commerzbank-Kunden teils noch schneller. Depotüberträge zu comdirect sind kostenlos und online beauftragbar. Dazu kommen Musterdepots, Watchlists mit Kursalarmen und ein Informationsbereich mit Analysen, die weit über das Neobroker-Niveau hinausgehen; die comdirect-Community, eines der ältesten deutschen Finanzforen, liefert zusätzlich den Austausch mit anderen Anlegern.
Für den Einstieg bietet comdirect zudem eine Wissensakademie und regelmäßige Webinare. Realtime-Kurse sind in Paketen zubuchbar, für Vieltrader teils vergünstigt. Die App deckt inzwischen fast den vollen Funktionsumfang der Website ab, inklusive Orderaufgabe und Sparplanverwaltung — wer die Plattform nur für Sparpläne nutzt, braucht von alledem nichts, zahlt aber auch nichts dafür.
Ein- & Auszahlung
Das Verrechnungskonto wird per Überweisung vom Referenzkonto bestückt; mit einem comdirect-Girokonto laufen Umbuchungen in Echtzeit. Auszahlungen sind kostenlos. PayPal oder Karten-Einzahlungen gibt es — wie bei allen deutschen Banken — nicht; die wenigen Ausnahmen am Markt behandelt unser Beitrag zum Aktienkauf mit PayPal.
Praktisch: Verkaufserlöse stehen sofort für neue Orders zur Verfügung, und der Depotübertrag von anderen Banken wird online angestoßen.
Sicherheit & Einlagenschutz
Als Marke der Commerzbank AG steht comdirect unter Aufsicht von BaFin und EZB. Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen und auch im Insolvenzfall geschützt; Einlagen sichert die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € pro Kunde, ergänzt durch die freiwillige Institutssicherung.
Die Abgeltungssteuer führt comdirect automatisch ab; Verlustverrechnung und Freistellungsauftrag laufen im Hintergrund — die Grundlagen dazu im Beitrag Aktien und Steuern.
Für wen geeignet? Unser Fazit
comdirect ist das Depot für anspruchsvolle Anleger mit größeren Ordervolumina, die Analyse-Tiefe, volle Börsenplatz-Auswahl und erreichbaren Banken-Service über den letzten Euro Ersparnis stellen. Für 5.000-€-Orders relativiert sich der Mindestpreis; für 500-€-Orders ist er ein Ausschlusskriterium.
Kostenbewusste Einsteiger und Kleinsparer greifen besser zu Trade Republic oder Scalable Capital; wer nur die Vollbank-Alternative sucht, vergleicht mit der ING, die ohne Bedingungen aufs kostenlose Depot verzichtet.
comdirect ausprobieren?
Depot eröffnen und aktuelle Konditionen direkt beim Anbieter prüfen — oder alle 9 vergleichen.
Häufige Fragen zu comdirect
Was kostet ein Trade bei comdirect?
Eine Order kostet typischerweise 4,90 € Grundgebühr plus 0,25 % vom Ordervolumen — mindestens 9,90 € und maximal 59,90 €, zuzüglich Handelsplatzentgelt (Stand der Redaktion). Eine 1.000-€-Order kostet damit den Mindestpreis von 9,90 €, eine 10.000-€-Order rund 29,90 €. Neukunden profitieren in den ersten Monaten häufig von rabattierten Aktionspreisen um 3,90 € je Order. Für kleine Ordergrößen ist das Modell teuer; ab mittleren vierstelligen Beträgen relativiert sich der Unterschied zu Neobrokern.
Ist das comdirect Depot kostenlos?
Nur unter Bedingungen. In den ersten Jahren nach Eröffnung ist die Depotführung kostenlos; danach bleibt sie es typischerweise nur, wenn pro Quartal mindestens zwei Trades stattfinden, ein Wertpapiersparplan aktiv ist oder ein Girokonto bei comdirect geführt wird (Stand der Redaktion). Andernfalls fällt eine monatliche Depotgebühr von wenigen Euro an. Wer das Depot als reines Buy-and-Hold-Lager ohne Sparplan nutzen will, sollte diesen Punkt vor der Eröffnung bewusst einkalkulieren.
Ist comdirect sicher?
Ja. comdirect ist eine Marke der Commerzbank AG und unterliegt damit der Aufsicht von BaFin und EZB. Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen — sie gehören dem Kunden und wären selbst bei einer Insolvenz der Bank geschützt. Guthaben auf dem Verrechnungskonto ist über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € pro Kunde abgesichert, zusätzlich besteht eine freiwillige Institutssicherung. Als deutsche Bank führt comdirect die Abgeltungssteuer automatisch an das Finanzamt ab.
Was ist comdirect LiveTrading?
LiveTrading ist der außerbörsliche Direkthandel von comdirect: Statt über eine Börse handelst du direkt mit einem angebundenen Handelspartner (Market Maker oder Emittent) zu einem verbindlichen Kurs, der dir vor der Order angezeigt wird. Vorteile sind lange Handelszeiten über die Börsenschlusszeiten hinaus, sekundenschnelle Ausführung und der Wegfall von Handelsplatzentgelten und Maklercourtage. Bei marktengen Werten oder außerhalb der Xetra-Zeiten sollte man die angebotenen Kurse trotzdem mit dem Referenzmarkt vergleichen.
Für wen lohnt sich comdirect?
comdirect lohnt sich für Anleger mit größeren Ordervolumina und höheren Ansprüchen: Wer Chartanalyse, Screener, alle Ordertypen, LiveTrading und Auslandsbörsen nutzen möchte und Wert auf einen rund um die Uhr erreichbaren Service legt, bekommt hier das komplette Paket einer großen Bank. Für Kleinanleger mit Orders unter 1.000 € oder reine Sparplan-Nutzer ist das Preismodell dagegen unnötig teuer — hier bieten Neobroker die deutlich günstigere Alternative bei ausreichendem Funktionsumfang.